Ein Federwegshistogramm richtig lesen

Ein Federwegshistogramm zeigt auf einer Achse die Position im Federweg und auf der anderen den Anteil des Runs, der dort verbracht wurde. Suche zuerst die höchste Stelle: Ein Maximum nahe dem dynamischen SAG zeigt, dass die Feder den Fahrer trägt. Ein Maximum am Ende des Federwegs zeigt fehlenden Gegenhalt.

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Die Positionsverteilung in der BYB Telemetry Software mit Median, Maximum und 95. Perzentil für vorn und hinten neben einem Flächendiagramm des Radfederwegs
Ein Run, 156.000 Messwerte: Vorn und hinten liegt der Median bei 30%. Das vordere Maximum liegt jedoch bei 31% Radfederweg, das hintere bei 25%. Daraus ergibt sich der angezeigte Unterschied von 6 Prozentpunkten.

Was ein Federwegshistogramm zeigt

Federwegshistogramm
Ein Diagramm der Fahrwerksposition im Verhältnis zur dort verbrachten Zeit. Jeder Balken steht für einen Federwegsbereich. Seine Höhe zeigt den Anteil des Runs, der in diesem Bereich verbracht wurde.
Ein Balkendiagramm der vorderen Fahrwerksposition mit einem Balken pro Radfederwegsbereich von null bis hundert Prozent
Dieselbe Verteilung als Balken. Die höchsten liegen zwischen 25% und 30% Radfederweg. Der Ausläufer endet vor 90%: Diese Gabel hat den Anschlag nie erreicht.

Die höchsten Balken zeigen die am häufigsten genutzten Positionen. Deshalb liest du zuerst die horizontale Lage des Maximums ab. Alles Weitere — die Breite der Schulter, die Länge des Ausläufers und ein Ausschlag ganz rechts — wird in Bezug auf diesen Punkt gedeutet.

Wie die Daten für das Histogramm entstehen

Linearsensoren an Gabel und Dämpfer messen die Position der Sensorstange, mit 500 Hz bei Telemetry V3 und 1000 Hz bei Telemetry V3 Pro. Die Software rechnet diese Bewegung über das Übersetzungsverhältnis des Rahmens in Radfederweg um. Deshalb zeigt die Achse den Radfederweg statt der Bewegung der Sensorstange in Millimetern.

Das Histogramm fasst die Aufzeichnung zusammen und verliert dabei jede Zeitinformation: Zwei Runs mit identischen Histogrammen können sich völlig verschieden anfühlen. Es beantwortet, wo das Fahrwerk gearbeitet hat, aber nicht wann. Der Ratgeber zur Datenerfassung erklärt, welche weiteren Informationen dieselbe Datei enthält.

Was die Form des Histogramms bedeutet

  • Ein Maximum nahe dem dynamischen SAG bei etwa 25%–30% Federweg: Die Federhärte trägt den Fahrer und stützt den Rahmen
  • Ein Maximum über 50%: Die Abstimmung arbeitet tief im Federweg, ein Hinweis auf eine zu weiche Feder
  • Ein Maximum unter 20%: Die Abstimmung arbeitet weit oben im Federweg und nutzt den verfügbaren Weg nicht
  • Ein deutlicher Ausschlag bei 100%: wiederholtes Durchschlagen, das ein längerer Ausläufer allein nicht belegt
Ein Positionsverteilungsdiagramm mit vorderer und hinterer Kurve, deren Maxima beide nahe fünfundzwanzig Prozent Radfederweg liegen und dann allmählich zum Federwegsende abfallen
Eine erwartungsgemäße Verteilung: Das Maximum liegt nahe 25% Radfederweg, die Schulter ist breit und ohne schmale Spitzen. Der Ausläufer wird dünner, ohne abrupt abzubrechen oder sich am Anschlag zu häufen.

Vorder- und Hinterrad gemeinsam auswerten

Nur eine Seite des Bikes liefert die halbe Antwort. Überlagerte Verteilungen von vorn und hinten zeigen, ob beide sich die Arbeit teilen. Ein Ungleichgewicht erscheint als Abstand zwischen den beiden Maxima, nicht als Fehler einer einzelnen Kurve.

Zwei dicht beieinander verlaufende überlagerte Verteilungen mit markiertem hinterem Maximum bei fünfundzwanzig Prozent und vorderem Maximum bei siebenundzwanzig Prozent
Balance: Die Software zeigt das hintere Maximum bei 25% und das vordere bei 27% Radfederweg. Die beiden Kurven bleiben über den gesamten abfallenden Abschnitt ungefähr zwei Prozentpunkte auseinander.
Zwei Verteilungen in Millimetern mit weit auseinanderliegenden Maxima: hinten in einem kleinen Federwegsbereich konzentriert, vorn deutlich breiter verteilt
Dieselbe Überlagerung bei unausgewogenem Vorder- und Hinterrad, hier in Millimetern: Hinten liegt das Maximum nahe 20 mm und die Verteilung endet vor 75 mm. Vorn liegt das Maximum nahe 45 mm und die Verteilung reicht über 150 mm hinaus.

Wie viele Runs ein aussagekräftiges Histogramm braucht

Ein Histogramm ist eine Zählung. Seine Form ist nur so belastbar wie die Anzahl der zugrunde liegenden Messwerte. Die Ansicht oben enthält 156.000 Messwerte; ein kurzer Trailabschnitt liefert bei 1000 Hz einige Tausend — genug für eine Form, aber nicht für eine Einstellentscheidung.

Zwei BYB Tech Aufzeichnungen zeigen das: 8.212 Messwerte in 8,2 Sekunden in Livigno und 11.020 Messwerte in 11,0 Sekunden auf einer Supercrossstrecke. Beide ergeben eine klare Verteilung. Keine ist eine Diagnose: Elf Sekunden eines Fahrers auf einem einzelnen Abschnitt beschreiben nicht die gesamte Ausfahrt.

Die wirksame Methode ist ein kontrollierter Vergleich. Fahre denselben Abschnitt mit demselben Einsatz, ändere eine Sache und fahre ihn erneut. Vergleiche dann die beiden Histogramme miteinander, statt mit einer Idealform.

Häufige Fragen

Wie sieht ein gutes Federwegshistogramm aus?
Ein einzelnes Maximum nahe dem dynamischen SAG, etwa bei 25%–30% Federweg, mit breiter Schulter und einem zum Federwegsende dünner werdenden Ausläufer. Es sollte weder ein zweites Maximum noch eine Häufung bei 100% geben.
Was verursacht zwei Maxima im Federwegshistogramm?
Zwei Maxima bedeuten meist, dass der Run zwei unterschiedliche Fahrsituationen enthielt, etwa einen glatten und einen ruppigen Abschnitt oder einen Anstieg und eine Abfahrt. Sie weisen nicht unbedingt auf ein einzelnes Abstimmungsproblem hin. Teile den Run für die Auswertung zuerst in Abschnitte auf.
Wie viele Runs brauche ich für verlässliche Daten?
Genug Messwerte, damit sich die Form durch zusätzliche Werte nicht mehr verändert. Ein kurzer Abschnitt bei 1000 Hz liefert einige Tausend Messwerte und eine von Run zu Run wechselnde Form. Eine vollständige Session liefert eine sechsstellige Anzahl und eine stabile Form.